Medienbüro Text und Ton
Das Notfall-Team im OP-Saal der Kölner Uni-Klinik beugt sich über den aufgeschnittenen Bauch des Patienten: akute Blinddarmentzündung. Es ist kurz nach Mitternacht. Das Mikro in der Hand, in grünem Kittel und mit Mundschutz stehe ich am Kopfteil des Tisches und nehme sarkastische Chirurgenwitze auf. Anschließend klagen mir die übermüdeten Mediziner ihr Leid, weil sie nach 20 Stunden Dienst noch immer nicht Feierabend haben.
Ob ich grün um die Nase im OP stehe oder mitten im Winter mit ehemaligen Bergarbeitern den ganzen Tag auf einer stillgelegten Zeche verbringe, das Mikrofon hat mir schon so manche Tür geöffnet. Es fängt nicht nur die brüchige Stimme eines alten Bergmanns ein, es nimmt auch das Quietschen des verrosteten Förderrads auf. Eine gute Radioreportage ist Kino im Kopf, sie nimmt den Hörer mit zu den Menschen, die, mal traurig, mal wütend, ihre Geschichte erzählen.
Meine Begeisterung fürs Radio begann im ersten Semester beim Berliner Studentensender Uni-Radio. Später wurde ich freie Mitarbeiterin beim DeutschlandRadio und dort nach dem Politik-Studium auch schließlich Volontärin. Seit zwei Jahren moderiere ich als freie Journalistin regelmäßig die Informationen am Abend, den Marktplatz und das DLF-Magazin im Deutschlandfunk, schreibe Nachrichten und Presseschauen. Ansonsten bin ich mit dem Mikro unterwegs in OP-Sälen, auf Telekom-Demos und auf Parteitagen - für die beiden Programme des DeutschlandRadios, den WDR und die Deutsche Welle.